Lyudmila Lazebnaya Ein treuer Freund
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Людмила Лазебная

Lyudmila Lazebnaya Ein treuer Freund

Ein Freund braucht kein Hier! -Kommando

Людмила Лазебная

Die Erinnerungen an die Kindheit und meinen ersten Hund.


Teil 1


Ein unerwarteter Gast


Charlik kam zu uns im Sp;therbst, im Jahr, als ich f;nf Jahre alt wurde und mich entschloss, dass die Zeit gekommen war, mit dem Lernen anzufangen. Wieso sollte ich nun zu Hause sitzen bleiben? Zeit f;r die Schule! Ohne lange zu ;berlegen, schenkte mir meine Mutter ein ABC-Buch. Aber ;ber dieses Geschenk und dar;ber, was ich in ihm entdeckt habe, erz;hle ich ein andermal.


An einem Morgen, als wir mit meiner Oma alleine zu Hause geblieben waren, kam jemand zu unserer Haust;r.


Die Oma, ohne darauf zu achten, trank weiter ihren Tee aus einer Untertasse, mit ihrem zahnlosen Mund schl;rfend und seufzend. Ich kam ihr ein wenig n;her und sagte im Fl;sterton:


„Omi, Omi, h;rst du, da l;uft jemand und macht Ger;usche!“


Die Oma, mich angeschaut, schl;rfte an ihrem Tee pfeifend und antwortete:


„Das ist der Wind.“


„Kann ein Wind st;hnen?“


„Mein Kind, der Wind heult.“


Pl;tzlich br;llte „der Wind“…


Erschrocken versteckte ich mich schnell unter das Bett, um Angst zu haben.


Die Oma stand munter auf, schnappte einen Sch;rhaken vom Ofen und ging auf die Terrasse heraus. Ich h;rte, wie furchtlos sie die T;r ;ffnete…


Ich dachte mir, was f;r eine mutige Oma ich hatte.


„Mila, komm raus, komm her, schau mal, wir haben Besuch, einen unerwarteten Gast“, sagte sie laut.


Ich kam aus meinem Versteck heraus und, aus der Eingangst;r;ffnung herausschauend, sah ich einen kleinen nassen Welpen, der vor K;lte und Hunger zitterte, mich mit seinen gro;en grauen Augen bettelnd anschaute und winselte. Ich kam tapfer auf meine Oma zu:


„Ist er zu mir gekommen? Lass uns ihn mit nach Hause nehmen!“


Meine Oma mochte Hunde, aber meine Mama erlaubte meinen Br;dern und mir nicht, Katzen oder Hunde mitzubringen. Die Mutter sorgte sich um unsere Gesundheit und liebte Ordnung! Die Oma schaute mich und den Welpen an und sagte:


„Ah, da bekommen wir beide von deiner Mutter was ab! Aber wir k;nnen doch den Gast nicht verjagen, wenn er schon hier ist. Es schneit auch noch, der Arme erfriert. Na, komm rein, Charlie Chaplin!“


Erst sp;ter erfuhr ich, wieso sie ihn so genannt hatte. Der Welpe hatte eine lustige, naive Schnauze, d;nne und krumme Beine und einen schwarzen Fleck unter der Nase, der wie ein Schnurrbart aussah.


Nachdem die Oma dem Welpen seine Schnauze und sein Fell mit einem Lappen abgetrocknet hatte, schenkte sie ihm warme Milch in eine Untertasse ein und legte ein St;ck Brot dazu. Nachdem der Welpe fertig gefressen hatte, streckte er sich, g;hnte und legte sich auf den Teppich vor dem Eingang hin.


Die Oma streichelte ihn und l;chelte. Ich wartete geduldig auf die Erlaubnis mit ihm zu spielen, nachdem er geschlafen hatte. In der Zeit sa; ich auf dem Sofa zwischen den Kissen und sprach fl;sternd mit meinen Puppen, die jetzt auch auf den neuen Freund warteten. Nach einer Weile wachte der Welpe auf und schaute sich im Zimmer um. Die Oma, ;ber ihre Brille schauend, l;chelte und schnipste schnell mit den Stricknadeln, strickte etwas. Bald legte sich Charlik neben Omas Sessel hin und ich durfte mit ihm spielen. Ich wei; noch, wie er, seine Nase bewegt, an mir roch und lustig fauchte. Die Oma sagte:


„Schau mal, er mag dich, wie er faucht. So freuen sich Hunde ;ber eine Bekanntschaft. Ihr werdet Freunde sein.“


Wir sind Freunde geworden.



Der erste Spaziergang


Das waren ein Hund und ein M;dchen, f;r die das Leben noch lustiger und interessanter wurde. Wohin ich auch ging, lief Charlik mir hinterher, fr;hlich mit seinem Schwanz wedelnd. Ich war neugierig, wie konnte es sein, dass er erst vor kurzem so klein war und ich so gro;, und jetzt, als das neue Jahr begonnen hatte, war ich die gleiche und er war komplett anders geworden. „Wie ist er so schnell gewachsen?“, fragte ich die Oma. Jedes Mal bekam ich unterschiedliche Antworten…


Mal sagte sie, dass er viel schneller seinen Brei aufa;, er leckte sogar seinen Napf so aus, dass man ihn nicht mehr abwaschen brauchte! Mal sagte sie, dass er den Lebertran trank und nicht ausspuckte. Mal antwortete sie einfach so:


„Er ist doch ein Hund, ein treuer Freund des Menschen. Er beeilt sich, gr;;er zu werden, um sich im Haushalt n;tzlich zu machen. Er m;chte den Herrchen ihre G;te zur;ckzahlen, mit dir spielen, damit du ihm versehentlich nicht wehtust.“


Ich war ;ber jede Antwort froh und mir wurde fr;hlich und warm von diesen Worten meiner Oma. Ich wollte mir Charlik schnappen, wie vor zwei Monaten, und in mein Zimmer bringen, um ihn dort zu streicheln, ihm M;tzen und Jacken anzuziehen…


Aber so ein Gl;ck hatte ich nicht mehr! Charlik leistete Widerstand und lie; sich nicht hochheben. Er wich aus, sprang, seine rote Zunge rausstreckend. Er wedelte fr;hlich und neckisch mit seinem Schwanz, wie mit einer gro;en und flauschigen Feder.


Einmal erz;hlte mir die Oma eine Geschichte dar;ber, dass der Hund als erstes Tier zu einem Menschen zum Dienen kam und schwor, ihm treu zu dienen, beim Jagen der Wildtiere zu helfen, ihn vor Feinden zu sch;tzen und in der K;lte zu w;rmen. Ich h;rte aufmerksam zu und stellte mir vor, wie und wen ich und Charlik jagen gehen w;rden…


Endlich begann der Fr;hling und drau;en wurde es warm und sonnig. Der Schnee wurde dunkel und taute unter der Sonne, sich zu Pf;tzen verwandelnd. Die T;mpel gl;nzten hell in der Sonne. Ich und Charlik hatten uns dazu entschlossen, selbstst;ndig spazieren zu gehen, solange die Oma besch;ftigt war und die Eltern und Br;der nicht zu Hause waren. Ich zog schnell meine roten Gummistiefel, eine M;tze, einen Mantel an und wir gingen zum Fluss. Da schwammen riesige Eisschollen schnell aneinandergeraten vorbei, das Wasser rauschte nicht, es dr;hnte, in eine enge ;ffnung unter dem Eis durchgebrochen, als ob Tausende von Wasserh;hnen gleichzeitig ge;ffnet wurden!


Ich stand am Ufer, schaute das tosende Wasser an und konnte meinen Blick nicht vom Geschehen wenden.


Der Wasserstrom war so m;chtig, dass wenn jemand ein Lied neben mir singen w;rde, wie ich gesungen hatte, als ich mir vorgestellt hatte, ich w;re S;ngerin auf einer B;hne, k;nnte man ihn gar nicht h;ren. Und ich sang sehr gut, wie es mir schien, weil mein Singen laut war. So laut, dass die Oma immer sagte: „Azohen wei! Afa le soinim gesukt!“ Dabei l;chelte sie liebevoll, mich anschauend, und wischte ihre Tr;nen ab. Erst sp;ter erfuhr ich, was genau sie gesagt hatte: „Das w;nsche ich meinem ;rgsten Feind nicht!“. Aber ;ber meine liebe Oma erz;hle ich ein andermal. Jetzt erz;hle ich dar;ber, wie mein treuer Hund und ich zum ersten Mal selbstst;ndig spazieren gegangen sind, also auf die Jagd. Also, das Wasser im Fluss kochte auf und dr;hnte! Pl;tzlich platzte ein St;ck Schnee unter meinen F;;en so laut und schallend, als ob man von unten mit einer Axt darauf geschlagen hatte. Und ehe ich etwas begreifen konnte, packte mich Charlik mit seinen Z;hnen an meinem Mantel und zog mich weg vom Wasser. Ich fiel auf den Schnee, der mit einer Eisschicht bedeckt war, verletzte mich an meinen H;nden und der Wange. „Bist du verr;ckt geworden?“, schrie ich aus allen Leibeskr;ften. „Siehst du nicht, man denkt nach! Du packst mich. Hier, ich habe meine H;nde zerkratzt und meine Wange tut weh!“ Charlik antwortete meckernd etwas in seiner Hundesprache, mein Gesicht ableckend, um hektisch mich herum laufend, und forderte mich auf, sofort von diesem gef;hrlichen Ort zu verschwinden. Ein wenig get;ftelt und rumgeheult, dann stand ich auf. Man muss ehrlich sagen, ich war keine Heulsuse, was w;rde es f;r einen Sinn machen, zu weinen, vor allem wenn dich niemand au;er deinem Hund h;ren konnte? Ich sch;ttelte den Schnee von meiner Hose, auf der Eisst;ckchen und Schnee klebten, und lief den Weg hoch. Hinter mir heulte etwas und raschelte. Als ich mich umgedreht hatte, sah ich, wie ein gro;er Teil des verharschten Ufers, genau an dem Ort, wo ich vor kurzem gestanden hatte, in den Fluss rutschte und, sich auf eine Seite drehend, rasant mit dem Strom wegschwamm. „Was soll’s, schwimm!“, rief ich dem Eisblock zu und ging schnell meinem vierbeinigen Freund hinterher. Das war unser erstes Abenteuer, von dem niemand erfahren w;rde, wenn nicht die Oma Aksinja gewesen w;re, eine gutherzige und fr;hliche ;ltere Dame, die in unserer Nachbarschaft wohnte und wegen ihrer Krankheit st;ndig am Fenster sa;. Sie hatte das Geschehen von ihrem Beobachtungsposten aus gesehen und meinen Eltern ;ber unser Abenteuer berichtet. Nat;rlich hatte ich ;rger mit meiner Mutter bekommen und durfte das Haus ohne Oma oder meine Br;der nicht mehr verlassen, bis das Gras gr;n wurde. Aber Charlik strebte seit dieser Zeit eine Auszeichnung als ein „im Haushalt n;tzliches und nutzbringendes Tier“ an. Dar;ber berichtete er mit Vergn;gen allen seinen Kameraden – Nachbarhunden, so meinte ich damals. Sie versammelten sich an jedem sonnigen Tag auf einer Wiese vor unserem Haus, lagen da, sich auf dem Gras ausstreckend. Und Charlik beobachtete sie von seinem Lieblingsplatz aus – einem gro;en Haufen Sand.



Teil 2


Wenn dein Freund ein Bock ist.


Es passiert ja manchmal so, dass, obwohl ein Tag dem anderen gar nicht ;hnlich ist, nehmen die Tage ihren nat;rlichen Verlauf und man hat gar nichts, woran man sich erinnern k;nnte. Aber pl;tzlich leuchtet etwas im Ged;chtnis auf, dann l;chelt man oder wird traurig oder man beginnt diesen Kn;uel der Ereignisse auseinanderzuwickeln und es wird sehr interessant, dass dem Herzen nahe Leute und das Zuhause in Erinnerung kommen…


Wie viel Gutes bewahrt und speichert das menschliche Ged;chtnis! Ja, das ist interessant, aber ich m;chte jetzt ;ber etwas Anderes berichten, und zwar dar;ber, wie jemand zuf;llig mal das Sprichwort „Sage mir, mit wem du umgehst, ich sage dir, wer du bist“ gesagt hatte und ich unbeabsichtigt l;cheln musste. Die Sache ist die, obwohl man sagt, dass wir unsere Freunde nicht aussuchen k;nnen, meine ich, dass wir sie doch aussuchen, und wie! Nicht nur Leute suchen sich die Personen aus, mit denen es ihnen angenehmer, interessanter und n;tzlicher ist zu kommunizieren, sondern Tiere machen das genauso.


Als ich in die zweite Klasse ging, „bekam“ ich viele Freundinnen und Freunde, wovon meine Mutter ;berhaupt nicht begeistert war, denn ihrer Meinung nach lenkten sie mich vom Lernen ab. Mein Vater dagegen meinte, dass ich es gut machte, denn die Beliebtheit und der Respekt unter Gleichaltrigen ist ein guter Beweis f;r die vielseitige Entwicklung der Pers;nlichkeit. Also, meine Beliebtheit wurde immer st;rker. Jeden Tag gab es irgendwelche zus;tzlichen Unterrichtsstunden in der Schule: die Hilfe f;r die Leistungsschw;cheren, AGs nach Interessen. Und Interessen hatte ich viele. Mein Hund zeigte Geduld gegen;ber meiner leidenschaftlichen gemeinn;tzigen Arbeit, er verbrachte die Wartezeit nach eigenem Ermessen.


Nicht weit vom Schulhof entfernt, an dem Ort, wo Charlik gew;hnlich mit seinem Lieblingsknochen, den er jedes Mal geschickt an einem anderen Ort versteckt hatte, lag oder sa;, gab es eine Lichtung, wo zwei lustige Ziegen namens Tosja und Rosa von Fr;hjahr bis Herbst weideten. Diese Ziegen geh;rten einer ;lteren Lehrerin und hatten jedes Jahr kleine Babys. Man muss sagen, die Zicklein, wie auch alle Babys dieser Welt, waren lustig, witzig und neugierig!


So war es auch diesmal, ein kleines Zicklein namens Schurik rannte und spielte an der Lichtung seit den ersten Maitagen. Dieser Schurik war so ein Hitzkopf, dass seine Mutter sich immer Sorgen um ihn machte und schrie, damit er ihr endlich gehorchte. Aber Schurik war au;ergew;hnlich selbstsicher und frech, mit einem Wort – ein Bock!


Der Mai war ein fr;hlicher Monat f;r alle Sch;ler und Sch;lerinnen, aber auch ein besonders wichtiger. Man hatte so viel zu tun! Es war das Ende des Schuljahres, alle versuchten, ihre Noten zu verbessern, und die Sonne lockte nach drau;en, auszugehen! Der Fr;hling war im vollen Gange und alles wuchs, sodass die Blumen und das Gras vom letzten Jahr weggemacht werden sollten, damit die neuen Sprossen st;rker wurden und unsere Augen freuten. Also, man hatte viel zu tun! Nicht nur zu Hause, sondern auch in der Schule. Das alte Laub vor der Schule und im Schulgarten sollte aufger;umt werden, oder? Ja! Man sollte Blumen im Schulgarten pflanzen, die Wege kehren, trockene Zweige, die im Herbst abgebrochen wurden, sollte man zu einem Haufen zusammenlegen, damit man am n;chsten Tag nach der Abschiedsfeier ein Abschiedsfeuer anz;nden konnte… damals war es so. Dar;ber berichte ich ein anderes Mal, aber jetzt erz;hle ich, wie sehr ich in der Schule und zu Hause besch;ftigt war, dass mein Charlik sehr traurig wurde, aber dann sich entschloss einen Kumpel zu finden, und seine Wahl fiel auf das lustige Zicklein Schurik.


Schurik, wie alle B;cke in seinem Alter das so an sich haben, zeigte sein starkes Interesse und seine Frechheit, als er zum ersten Mal zu dem Ort im Park gesprungen war, wo gew;hnlicherweise Charlik lag, wenn er auf mich wartete. Charlik beobachtete Schurik mit gro;em Interesse schon seit mehreren Tagen. Aber sich ihm zu n;hern hatte er nicht vor, denn er besa; Charakter, vielleicht hielt ihn aber auch die st;ndige und strenge Kontrolle der Mutterziege davon ab.

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